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Reisebericht von Jakob Knechtel, Februar-Mai 2011

Nun bin ich schon wieder ein Vierteljahr zu Hause die gleiche Zeit wie die, die ich in Uganda verbracht habe.

Vor der Reise hörte ich immer wieder Sprüche wie: Ach, drei Monate vergehen so schnell, das ist doch nur ein Augenblick. Doch hier, in vertrauter Umgebung und in bekannter Gesellschaft, vergehen drei Monate viel schneller als auf dem fremden Kontinent, mit täglich neuen Eindrücken, Heimweh und neben vielen unbekannten Gesichtern. Manchmal kam es mir wirklich so vor, als würde die Zeit kaum verstreichen. Doch gewöhnt man sich natürlich an alles, und das, was heute neu ist, wird morgen schon ein wenig vertrauter erscheinen. Konnte ich am ersten Nachmittag in Kagadi noch nicht einmal Jungs von Mädchen unterscheiden, haben Mira und ich uns doch schon nach drei Tagen getraut, mit den Kindern zu basteln und zu malen, und kannten sie nach den drei Monaten so gut, dass wir fast alle mit Namen ansprechen konnten.

Der Einstieg wurde uns leicht gemacht. Dank Bernhard, der uns sicher durch Kampala geleitete und mir über meinen nicht zu vergessenden Kulturschock hinweghalf, erreichten wir Kagadi wenn nicht ausgeruht und entspannt (was bei Reisen durch Uganda offenbar kaum möglich ist...), so doch zumindest gesund und wohlbehalten. Und einmal in Kagadi angekommen, begrüßten uns die Kinder mit Gesang und Trommeln, und ich fühlte mich gleich gut aufgehoben. So konnte ich auch Bernhards Bemerkung gut verstehen und ihn im Laufe der Zeit auch immer mehr auf mich anwenden: Kagadi is my second home.

Die Zeit verbrachten wir mit Ausflügen auf die umliegenden Felsen, von denen aus man unglaubliche Ausblicke über die Landschaft der Gegend hatte (und die sowohl für mich als auch für die Kinder Abwechslung waren und die wir trotz der Hitze sehr genossen haben), an den Wochenenden bastelten und malten wir oft (was nicht selten in einem mittelmäßigen Chaos endete, doch sind alle dann auch sehr hilfsbereit, wenn es an die Beseitigung desselben geht...), oder mit Fußball- und Kartenspielen.

An Spielzeug im europäischen Sinne mangelt es in Uganda selbstverständlich doch wird das auch nicht benötigt. Das Reifenspiel verlangt große Geschicklichkeit, die ich erst nach tagelangem Üben einigermaßen aufgebracht habe, die mitgebrachte Knetmasse wurde verschmäht, während Mira mit den Kleinen der Kinder Mini-Lehmhütten baute. Nur der Bedarf an Papier ist groß, und jeder Ugandareisende sollte einen großen Block mitnehmen. Beliebt waren auch die Wasserfarben und Pinsel. Bei den Fußbällen ist der Verschleiß sicher am größten. Diese sind auch in Kagadi erhältlich, kosten allerdings für ugandische Verhältnisse ein Vermögen.

Am meisten beeindruckt hat mich die große und selbstlose Gastfreundschaft der Ugander und so werden sicher die bleibendsten Erinnerungen die kleinen Ausflüge unter der Woche sein, die ungeplant waren und zufällig entstanden sind. Einmal beispielsweise wollte ich nur bis zum einen Kilometer entfernten Tümpel gehen, um mit den Kindern mudfish zu fangen, doch dann stiegen wir auf die nächste Hügelkuppe, und von da aus ging es weiter und weiter zu einem Zuhause von einem Schüler, dann zu dem des nächsten und so weiter. Unterwegs trafen wir Klassenkameraden einiger Kinder, die sich uns anschlossen, mich mit Fragen löcherten und mir viel von sich erzählten. Die ständigen Muzungu -Rufe lernte ich schnell zu überhören. Jedes Mal, wenn wir eine Familie besuchten, gab es Jack-Fruits zu essen, ich durfte die Hütten betreten und Platz nehmen kurz: Ich wurde herzlich empfangen. Im Gegenzug freuen sich Jung und Alt über jede Art von Geschenken, sei es ein Stift, eine Banane oder eine Sonnenbrille... Auf diesen Spaziergängen entstanden dann auch die kleinen Freundschaften mit einigen der Kinder, die ich versuchen werde, auch über die große Entfernung hinweg zu pflegen und die mir den Abschied dann sehr schwer gemacht haben.

Das Essen, das die lieben Köchinnen jeden Tag für uns zubereiteten, war wunderbar. Natürlich kann man sich nicht die Auswahl und Vielfalt vorstellen, die man aus unseren Supermärkten gewohnt ist. Doch gab es für uns täglich zwei warme Mahlzeiten, gewöhnlich bestehend aus Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit Bohnen oder Erbsen. Natürlich probierten wir auch ugandische Spezialitäten wie zum Beispiel Kalo (Brei aus Maniok- und Milletmehl), Posho (aus Maismehl) oder Matooke (Kochbananenbrei). Sehr gern mochte ich Kalo, und so habe ich mir auch das benötigte Mehl mit nach Hause gebracht und hier afrikanisch gekocht... Einige Male gab es auch frisch geschlachtetes Ziegenfleisch oder Hühnchen.

Freitagabends ist Vorbereitung für den Schulgottesdienst, und da singen alle Hostelbewohner inbrünstig ihre Lieder, klatschen, trommeln und tanzen. Jede Woche konnte ich so ein richtiges Konzert genießen. Als die Zeit in Uganda sich dem Ende neigte wurde ich oft wehmütig. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich wieder nach Kagadi kommen werde und ob ich Uganda leiden könne. In meinem Realismus konnte ich immer nur zögerlich antworten, doch wird mir von Woche zu Woche klarer: Ich bin infiziert vom „Afrika-Virus“ und werde wohl spätestens nach meinem Medizinstudium die Hostelbewohner besuchen.

Bis jetzt habe ich das Gefühl, die Eindrücke noch nicht richtig verarbeitet zu haben. Und wahrscheinlich wird das auch nie passieren, denn die vielen Bilder und die Fremdheit sind kaum zu fassen und objektiv zu beschreiben. Das ist wohl das, was das Heimweh verursacht, aber die Reise auch so reizend gemacht hat.