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Reisebericht von Bianca Hörig, März-Mai 2003

Liebe Freunde der Uganda Hilfe Kagadi,

fünf Monate habe ich in Uganda verbracht, drei davon – Anfang März bis Anfang Juni – in Kagadi im St. Josephs Hostel. Ich habe die Zeit dort sehr genossen.

Das vergangene halbe bis dreiviertel Jahr hat viele Veränderungen im Hostel mit sich gebracht: Als Ende letzten Jahres Josephine erkrankte und ihre Arbeit nicht fortführen konnte, mussten sich die Kinder an Jane als ihre neue Matron gewöhnen. Dabei war aber nicht klar, ob sie für länger bleibt oder Josephine nur für kurze Zeit vertritt. Jane ist die Pfarramtssekretärin der katholischen Gemeinde und hat sich trotz ihres Jobs dort, den sie natürlich weiterhin ausgefüllt hat, recht gut in den Arbeitsalltag des Hostels eingefügt und die Kinder nach Kräften betreut und angeleitet. Dazu kam, dass Father Stephen im Januar nach Hoima versetzt wurde und Father Banula Francis als Gemeindepfarrer nach Kagadi kam. Eine weitere neue Person, an die sich die Kinder gewöhnen mussten. Außerdem haben unsere ältesten Mädchen, Mbabazi Rebecca und Nakachwa Sarah, letztes Jahr die Primary School abgeschlossen, und zum vergangenen Term das Waisenhaus verlassen, um auf weiterführende Secondary Schools zu gehen. Noch eine Veränderung und ein Verlust für die Kinder.

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Father Francis hat sich sehr schnell in der Gemeinde eingelebt und konnte sofort einen guten Kontakt zu den Kindern aufbauen, um ihnen bestmöglich das Gefühl von Kontinuität zu vermitteln. Als Bernhard Kalt, Ben Olbert und ich im März nach Kagadi kamen, konnten wir uns davon überzeugen, dass er bereits nach so kurzer Zeit eine intensive Beziehung zu den Jungen und Mädchen aufbauen konnte. Allerdings mussten wir aber leider auch feststellen, dass Josephine zwar auf dem Weg der Besserung, aber immer noch zu schwach war, um ihre Arbeit im Waisenhaus fortzuführen. So schauten wir uns also nach einer neuen Matron um, die sich wieder ausschließlich den Kindern widmen konnte. Auf Empfehlung von Father Francis lernten wir Kajumba Anna-Maria kennen und waren auf Anhieb begeistert. Sie hat zum 15. März ihre Arbeit im Hostel begonnen..

Aufgrund der geschilderten Veränderungen war es nicht verwunderlich, dass die Kinder sehr zurückhaltend, ja fast verängstigt waren, als ich in Kagadi ankam. Anfänglich beantworteten sie die Standardfragen nach ihrem Namen und der Klasse, in die sie gehen in bestem Englisch. Doch wenn ich weitergehende Fragen stellte, erhielt ich meist nur ein betretenes Schweigen zur Antwort. Es dauerte einige Tage, bis ich herausfand, dass viele der Kinder mich aufgrund mangelnder Englischkenntnisse entweder nicht verstanden oder aber sich nicht trauten mir zu antworten, aus Furcht, einen Fehler zu machen. Dass einige von ihnen so wenig Englisch sprechen ist fatal, denn der gesamte Schulunterricht wird in Englisch abgehalten. Durch die große Klassenstärke (z.B. bis zu 120 Kinder in der 5. Klasse) ist eine individuelle Betreuung durch die Lehrer fast nicht möglich. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder dem Unterricht oft nicht folgen können und schlechte Noten schreiben. Deshalb habe ich meine Priorität im Unterrichten der Kinder auf die Konversation mit ihnen gelegt, habe sie immer wieder zum Sprechen ermutigen und Vokabeln vermittelt.

Doch auch ich habe viel von den Jungen und Mädchen gelernt. Jeden Tag habe ich fleißig die Landessprache Runyoro geübt, muss aber bekennen, dass ich über ein paar Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie einige Standardsätze nicht heraus gekommen bin. Besonders viel Spaß hat es uns auch immer gemacht, zusammen zu singen und zu tanzen. Wir haben uns gegenseitig Lieder beigebracht, in Englisch, Runyoro und sogar in Deutsch (!) und ich konnte einige Trommelrhythmen von den Kindern lernen.

Während der Zeit, in der ich in Kagadi war, konnten wir drei neue Schüler im Waisenhaus aufnehmen: Zwei Mädchen, Kunihira Jessica und Nantimba Catherine, gehen in die zweite Klasse und ein Junge, Asiimwe Herbat, in die fünfte. Alle drei sind von der Hostelfamilie sehr herzlich aufgenommen worden und haben sich in kürzester Zeit wunderbar integriert.

Als es Mitte Mai für zwei Wochen Ferien gab, durften die Jungen und Mädchen ihre Familien in den Dörfern besuchen. Da war die Freude natürlich groß und in der Nacht vor der Abreise hat kaum eines der Kinder ein Auge zugetan vor Aufregung. Während der Ferien hat Anna- Maria dann ihre Arbeit im Hostel aufgenommen und als die Kinder wieder zurückkamen, hatte sie sich bereits gut eingewöhnt und mit den Arbeitsabläufen vertraut gemacht. Sie hat einen kleinen sechsjährigen Sohn, Agaba Januarius, der mit seinen neuen „Geschwistern“ ganz schnell dicke Freundschaft geschlossen hat. Leider konnte ich nur wenige Tage mit Anna-Maria und den Kindern gemeinsam verbringen bevor ich abreisen musste. Aber auch die kurze Zeit reichte aus, um mich davon zu überzeugen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, eine neue Matron einzustellen. Anna-Maria hat mit ihrer offenen und verbindlichen Art die Herzen der Kinder im Sturm erobert. Sie nennen sie liebevoll Auntie, was soviel wie Tante bedeutet. Mehr dazu können sicher meine „Nachfolger“, Simon und Florens, berichten, die ich noch vor meiner Abreise in Kagadi zusammen mit Bernhard Kaltbegrüßen konnte.

An meinem letzten Abend gaben mir die Kinder noch eine tolle Abschiedsparty, liebevoll organisiert von Anna-Maria. Zahllose herzliche Reden wurden gehalten und so ließ es sich nicht vermeiden, dass beim Auf Wiedersehen sagen viele, viele Tränen flossen. Ich bin glücklich, dass ich die drei Monate in Kagadi verbringen durfte und sehr dankbar für all die Liebe und Freundschaft, die mir von Kindern und Erwachsenen im Hostel und außerhalb entgegengebracht wurde.

Bianca Hörig


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